Weiden (Salix) pflegen und vermehren

Die Weiden Salix

Die wertvollsten Pollenspender im Vorfrühling

Die Weidenarten der Gattung Salix stellen wohl die wichtigste Trachtquelle im zeitigen Frühjahr für unsere Insekten und vor allem für die Honigbiene dar. Gleichzeitig lässt sich durch die einfache Vermehrung der Kätzchenweide auf effektive Weise die Bienenweide der Umgebung erheblich verbessern. Die männlichen Weiden liefern große Mengen an eiweißreichem Pollen, täglich frisch, und die männlichen wie auch die weiblichen Weiden liefern außerdem reichlich Nektar. So kann in manchen Gegenden Deutschlands schon im April von einer regelrechten Nektartracht gesprochen werden. Noch wichtiger als dieser Nektar ist für die Wild- und Honigbienen jedoch der Pollen der Weiden, da er die erste Bienenbrut mit dem notwendigen Eiweiß, mit Fetten und Spurenelementen versorgt, die für die Aufzucht des Nachwuchses nach dem langen Winter so kostbar sind.

Deutschlandweit kommen ursprünglich ca. 30 Weidenarten vor, weltweit sind es hunderte Arten, die sich teilweise auch miteinander kreuzen, so dass niemand in der Lage ist, die genaue Artenzahl zu beziffern. Weiden kommen in den kühlgemäßigten Regionen der nördlichen Hemisphäre (nur ganz wenige sind südlich des Äquators beheimatet) vor. Von wenigen Zentimeter großen Zwergsträuchern des Hochgebirges und der polaren Regionen bis zu 30 Meter hohen Bäumen der Auenwälder des Tieflandes decken die Weiden ein breites Spektrum ab. Hauptsächlich bevorzugen sie feuchte Böden und sonnige Standorte. Weiden sind zweihäusig, d.h. es gibt männliche und weibliche Pflanzen.

Die meisten Weiden (bis auf die Salweide) lassen sich auf einfache Weise vermehren. Die Vermehrung über das Steckholz erfolgt in der kalten Jahreszeit von November bis März (nach der Blüte). Zweijährige Triebe werden dabei in Teile von mindestens 20 cm Länge und mindestens Bleistiftstärke geschnitten. An den Trieben sollen sich keine Blüten befunden haben. Die Vermehrung an sich ist denkbar einfach. Diese geschnittenen Steckhölzer werden zu ca. 3/4 schräg in die Erde gesteckt; entweder in ein Vermehrungsbeet, oder gleich an Ort und Stelle. Nach wenigen Wochen sind die Steckhölzer bewurzelt, und der Neutrieb kann im ersten Jahr bereits 2 Meter betragen! Wichtig ist, dass die Erde im ersten Jahr niemals austrocknet.

Eine andere Möglichkeit ist die Bewurzelung im Wasser. Hierbei werden die Steckhölzer in ein Gefäß (einen Eimer) gestellt. In diesen wird soviel Wasser gegeben, so dass die Steckhölzer zu ca. 1/3 im Wasser stehen. Nach ca. 2-3 Wochen lassen sich die ersten weißfarbigen Wasserwurzeln erkennen, und die Steckhölzer können nun in die Erde gepflanzt werden. Auch hier ist stets auf genügend Feuchtigkeit zu achten.

Die Salweide lässt sich auf diese Weise leider nicht vermehren, da ihr Bewurzelungsvermögen doch etwas eingeschränkt ist. Hier bietet sich die Stecklingsvermehrung mit ganz jungen Trieben in sterilem Material (Perlit) in gespannter Luft unter Glas an.

Folgende Weiden sind für uns und unsere Insektenwelt sehr interessant:

Die Korbweide Salix viminalis: Sie wächst sehr schnell, straff aufrecht zu einem Großstrauch heran, der sich auch von allein stark verzweigt und an den Jungtrieben reichlich blüht. Die Korbweide hat lange, lanzettartige, hellgrüne Blätter und gehört zu den frühblühenden Weiden.

Die Küblerweide Salix xSmithiana ist der vorigen recht ähnlich, allerdings mit größeren, breiteren Blättern. Sie entstammt einer Kreuzung aus S. viminalis und S. caprea.

Die Reifweide Salix daphnoides wächst zu einem kleinen Bäumchen heran, ihre Jungtriebe tragen eine rötliches Farbe, die manchmal mehltauähnlich bereift sind, daher der Name. Auch die Reifweide lässt sich einfach vermehren, sie verzweigt sich aber später nicht so stark und verträgt starken Rückschnitt nicht so gut. Auch die Reifweide mit ihren vielen Unterarten ist eine Frühblüherin.

Die Salweide Salix caprea bildet einen mächtigen Großstrauch, die ist für den heimischen Garten fast schon zu groß. Ihre Blätter sind breit-eiförmig und gräulich-grün in der Farbe. Unter Imkern wird sie oft als die “edelste” aller Weiden angesehen. Leider lässt sie sich schlecht vermehren. Am günstigsten ist hier die Vermehrung über die im Juni reifen Samen oder über Stecklinge unter Glas. Die Salweide blüht etwas später als die vorigen Arten.

Die Drachenweide Salix sekka stammt aus Ostasien und ist in manchen europäischen Gärten zu sehen. Ihre Wuchsform ist eher breit als hoch, sie kann bis 6 Meter breit,   aber nur 5 Meter hoch werden. Ihre 2-jährigen Jungtriebe verbreitern sich bandartig und tragen eine Fülle von Kätzchen, so dass diese Weidenart sehr früh blüht. Sie lässt sich leicht durch Steckholz vermehren. In Europa kommt nur die männliche Form der Drachenweide vor.

Eine interessante Art ist die Mandelweide Salix triandra (manchmal als Salix continua bezeichnet), die zweimal im Jahr blüht: das erste Mal im April-Mai, das zweite Mal im Herbst ab August. Die Mandelweide blüht zwar nie sehr üppig, aber aufgrund ihrer zweimaligen Blüte verdient sie es doch, häufiger verwendet zu werden.

Einen schon größeren Baum bildet die spätblühende Bruchweide Salix fragilis mit den herrlich gelben Jungzweigen. Diese Weide blüht nach dem Erscheinen der Blätter im Mai, ihre Blüte ist daher nicht so auffällig wie die der frühblühenden Weiden. Auch diese Weide ist sehr leicht zu vermehren.

Noch viele andere Weidenarten und Zuchtformen lassen unser Gärtner- und Imkerherz höher schlagen, mit den unterschiedlichsten Wuchsformen, z. B. die mächtige Weißweide Salix alba, die salweidenähnliche Öhrchenweide Salix aurita, die Purpurweide Salix purpurea, die Grauweide Salix cinerea, und noch viele viele andere.

Probieren Sie einfach einmal die unterschiedlichsten Arten aus. Durch den notwendigen Schnitt alle paar Jahre hat man dann irgendwann mehr als genug Steckhölzer, die man dann in der Nachbarschaft oder hier in der Tauschbörse verteilen kann. Und neue Weidenarten erhält man in manch einer Baumschule, z. B. bei Eggert Baumschulen. Schauen Sie einfach mal in den Anzeigenblock weiter unten.


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